Die Gletscherkommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaft hat über 2000 Gletscher in der Schweiz inventarisiert. Davon zählen 121 zu den Messnetzgletschern die kontinuierlich überwacht werden. Die Messnetzgletscher umfassen rund 70% des gesamten Eisvolumens der schweizer Gletscher. Es sind jedoch alle Grössen im Messnetz vertreten. So vom Grossen Aletschgletscher (Fläche 96.1 km2 - Stand 1973) bis hin zum Firnfeld am Pizol, das mit 0.2 km2 Fläche kleiner ist als der Fulenfirn. Im Kanton Schwyz sind drei Gletscher bzw. Firnfelder ins Gletscherinventar aufgenommen. Keiner der Firnfelder im Kanton Schwyz gehöhrt jedoch den Messnetzobjekten an.
SE der höchsten Erhebung des Kanton Schwyz, dem Bös Fulen (2802m ü. M.) befindet sich auch das grösste bekannte Eisvorkommen des Kantons.
Blick vom Ortsstockgipfel Richtung N zur Grisset - Bös Fulen - Kette. Am Fusse des Bös Fulen (rechts) ist der Fulenfirn zu erkennen.
Abbildung 1 / Aufnahme Juli 1982
Neben dem Fulenfirn sind es das Firnfeld NW des Ortstock sowie das im Euloch die inventarisiert sind. Natürlich gibt es weitere, ständig mit Schnee bedeckten Mulden und "Chälen" im Kanton Schwyz. Bei diesen darf aber nur bedingt von Eisvorkommen gesprochen werden. So unter anderem N des Höch Turm, am Signalstock, der inneren Bruelchällen am Mären oder im gross Mälchtal. Die warmen Sommer der 90er Jahre und der Jahrhundertsommer 2003 haben aber explizit diese Firnfelder, dessen Nährgebietreserven gering sind, arg strapaziert. Noch vor Jahrzehnten soll zum Beispiel die Pfannenstock N-Flanke auch ein ständiges Firnfeld geziert haben. Ein ganz spezielles Phänomen unseres Kantons ist die Eishöhle im Achslengebiet. Die Akkumulations- (Zuwachs) und Ablationskriterien (Abschmelzen) einer Eishöhle verhalten sich jedoch wieder leicht anders als die eines Firnfeldes an der Oberfläche.
Literaturnachweis: R. Hanke, Eiszeitalter, Band 2
Die Eiszeiten Eiszeiten oder Kaltzeiten waren seltene Ereignisse in der rund 4600 Millionen Jahre alten Erdgeschichte. Während in der früheren geologischen Zeitaltern nur vereinzelt Kaltezeiten aufgetreten sind, spielten sich in der jüngsten Million Jahre die vier klassischen Eiszeiten der Quartärs ab. Die Günz, Mindel, Riss und letztere die Würm-Eiszeit.
Das Bild zeigt den Blick von Luzern aus Richtung Alpen an einem Sommertag vor etwa 16`000 Jahren. Luzern ist nur noch mit rund 200 m dickem Gletschereis bedeckt. Zu dieser Zeit dürfte das Muotathal noch gegen 800m unter Eis gelegen haben.
Der Muota-Gletscher In allen vier Eiszeiten vereinigte sich der Muota-Gletscher über dem Talkessel Schwyz, genau bei Oberschönenbuch, mit dem vom Gotthard her fliessenden Reuss-Gletscher. So auch bei der jüngsten, der Würm-Eiszeit.
Im Gebiet Talausgang/Schlattli Im Würm-Maximum lag der Talkessel Schwyz unter einer rund 800m dicken Eisschicht. Dies bezeugen Moränenwälle und erratische Blöcke auf rund 1200m Höhe im Gebiet Rigi-Hochfluh, Rothenfluh und Engelstock. Auf dem Stoos lag das Eis auf zirka 1300m. Der scharfgratige Wall der Blüemlisegg, der um 1200m einsetzt, ist als sanft abfallende Mittelmoräne zwischen dem Muota-Eis und dem vom Chlingenstock zufliessenden Eis zu deuten. Dann stellten sich gegen das Muotatal mehrere Rückzugstadien ein. Eine lässt sich NE des Unteren Gibel durch einen Moränenwall auf etwa 850m Höhe erkennen. Als sich der Muota-Gletscher vom Reuss-Gletscher trennte, und am Talausgang einige Male vorstiess, entstanden im Gebiet Schönenbuch, Hinter Ibach weitere Stirn- und Seitenmoräne. Somit wurde der Muota-Gletscher selbständig und zog sich ins Tal zurück. Im Gersauer Stadium stiess er erneut vor, vermochte sich aber nicht mehr mit dem Reuss-Gletscher zu vereinigen. Er stirnte beim Schlattli was durch Rundhöcker, einem Stirnmoränenrest, einer Schmelzwasserrinne N der Talstadion und durch Seitenmoränen bei der Unteren Hockeren und bei Stutz bekundet wird.
Im Muotathal Das Dorf Muotathal lag während des Würm-Maximums unter einer rund 1000m dicken Eisdecke. Dies ergibt eine Gletscheroberfläche auf 1600m Höhe. Das Gersauer Stadium, bei dem der Muota-Gletscher nochmals vorstiess und im Schlattli stirnte, gibt sich auf der Hinteren Rotmatt mit einer linksseitigen Moräne die aus dem Hürital austritt zu erkennen. Diese lässt sich von knapp 1200m über mehr als 1km bis zur Mündung des Achslen/Blüemberg-Eises auf gut 1000m verfolgen. In den folgenden Wärmeschwankungen schmolz des Muota-Gletscher bis ins hintere Bisistal zurück. Von der Fallenflue WNW von Illgau und von der Wissenwand SW von Muotathal brachen Bergstürze nieder. Dem Eisrand folgend, bildete sich im Talboden ein See, der durch die Schuttablagerungen der Seitenbäche, wie Chlingen-, Bett-, Ram- und Teufbach, in einzelne kleinere Seen unterteilt wurde. Diese wurden dann später von weiteren Schuttmassen der Seitenbäche sowie der Muota allmählich zugeschüttet und verlandeten.
Im Bisistal Auf weiterem Rückzug vermochte das Eis- dank der hochgelegenen Nährgebiete NE des Schächentaler Windgällen, der Ruossalp, N des Glatten, der Glattalp und der Charetalp- erneut vorzustossen. Wallmoränen im Gebiet Dürrenboden und Hinterer Seeberg deuten diese Vorstösse. Von der Hochfläche der Galtenäbnet hing ein Gletscher bis in den Talgrund des Bisistals herab, wo er mit dem stirnenden Muota-Gletscher eine talparallele Moräne schüttete. Von E her rückte eine Zunge aus dem Firngebiet Bös Fulen-Pfannenstock-Stöllen durchs Schwarzenbachtal vor. Aus dem Pfannenstock-Höch Turm Gebiet hing eine Zunge zwischen Hengst und Chupferberg ins hintere Bisistal herab. Hier zeigt die geschliffene Felskante SW des Chupferberges deutlich Spuren der einstigen Gletscherabbrüche des stirnenden Charetalp-Eises.
Im Hürital Der Hüri-Gletscher aus dem Chinzig-Gebiet schob sich im Dürrenboden-Stadium nochmals bis unterhalb Liplisbüel vor. Noch im letzten Spätwürm waren das Becken des Dürr Seeli über die Grundplanggen und der Oberalp mit Eis bedeckt, das zwischen Sirtenstock, Höch Pfaffen, Schwarzstock und Seestock abfloss. In einem späteren Stadium bildete das Eis der Südflanke der Chaiserstock/Blüemberg-Kette und das Chinzerberg-Eis auf der Seenalp den markanten Moränenwall des Lang Egg.
Der Fulenfirn ist der Überrest des einstigen Nährgebietes der Gletscherzungen Richtung Charetalp -Bisithal und Bösbächi - Linthtal. Erst wenn sich der Fulenfirn in seiner Mächtigkeit (Dicke) stark erhohlen würde, stiesse er wieder Richtung "Fulenplänggeli" und "Gross Risi" vor. Solche Gegebenheiten könnten innert Jahrzehnten auftreten, sind jedoch im jetzigen Trend der Klimaerwärmung kaum in Aussicht.
Dank seiner extremen Leelage kann sich der Fulenfirn unterhalb der Schneegrenze entwickeln und halten. Neben der direkten Schneeverfrachtung sind es vor allem die Schneerutsche aus der Felswand SE vom Grisset bis zum Bös Fulen die das Firnfeld nähren und somit in günstigen Jahren auch eine Akkumulation (Eiszuwachs) des Firnes zulassen. Man darf beim Fulenfirn von einem Eisvorkommen von mehreren 100`000 Kubikmetern (Schätzung mindestens 400`000 m3) ausgehen.
Der Zusammenschluss der unteren Firnzunge (im Vordergrund) mit der mittleren Firnmulde (oben) ist in den letzten Jahrzehnten definitiv getrennt worden. Die eisfreie Strecke beträgt rund 100m.
Abbildung 2/ Aufnahme 12.August 2004
Das Fulenfirn teilt sich in drei Sektoren: Oberes Firnplateau Fläche 0.12 km2 / Höhe im Zentrum 2530m ü. M. Mittlere Firnmulde Fläche 0.08 km2 / Höhe im Zentrum 2480m ü. M. Untere Firnzunge Fläche 0.03 km2 / Höhe im Zentrum 2430m ü.M.
Blick vom Firnfeld auf 2520m ü. M., Richtung Bächistock (Glärnisch). Man kann gut die alte Schneeschicht, die durch das Abschmelzen der saisonalen Schneedecke zum vorschein kommt, erkennen. Bleiben die alten Schneeschichten über mehrere Jahre liegen wandeln sich diese in Firn und später in Eis um.
Abbildung 4 / Aufnahme 10.August 1994
Die warmen Sommer der 90er Jahre und insbesondere der Jahrhundertsommer 2003 hat dem Firnfeld einiges an Mächtigkeit abverlangt. Die bleibende Schneedecke und die Lawinenschneeansammlungen, die das Firnfeld nähren und im Sommer entscheidend schützen, sind fast restlos abgeschmolzen. Mit Ausnahme von einzelnen Stellen direkt am Felsfuss des Bös Fulen kommt auf dem gesamten Firnfeld das blanke Eis zum vorschein.
Abbildung 5/ Aufnahme 12. August 2003
Man erkennt das das gesamte Firnfeld mit saisonalem Schnee bedeckt ist. Das bedeutet das im Jahr 1984 die Firnlinie mit gegen 2300m ü. M. sehr tief lag. Die Firnlinie ist die Grenze der Neuschneeflächen die auf einem Gletscher am Ende eines Massenhaushaltjahres (Herbst) bestehen bleiben.
Abbildung 6/ Aufnahme 07. August 1984
Wie auch in Abb. 4 zu erkennen ist kommen einzeln die älteren Schneeschichten zum vorschein. Das heisst dass sich die Firnlinie in diesem Jahr auf über 2500m ü. M. einpendelte.
Abbildung 7/ Aufnahme 10. August 1994
Obwohl die Fläche der Neuschneeflächen in diesem Jahr ausgedehnter scheint als die vor 10 Jahren, ist anhand der hervorragenden Felspartien (siehe auch Abb. 5) ein Mächtigkeitsschwund der letzten 20 Jahre von 5 bis 15m zu deuten.
Abbildung 8/ Aufnahme 08. August 2004
Abbildungen 9 bis 12 vom 12. August 2003
Abbildung 9
Abbildung 10
Abbildung 11
Abbildung 12
Schmelzwasser fliesst und frisst sich ins Eis. Bild auf dem oberen Firnplateau auf 2550m ü.M.
"Gletscherseeli" mitten in der mittleren Firnmulde auf 2460m ü.M.
Gletschermühle in der unteren Firnzunge. Eisdicke zirka 4m.
Blankes Eis auch beim oberen Firnplateau. Ganz rechts noch Restschnee begünstigt durch die NE Exposition.
Alle Angaben basieren auf rein visueller Beobachtung und sind nicht wissenschaftlich fundiert!